Inszenierung & Identität – Bilder vom Menschen in der Kunstsammlung Jena


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Zwischen Bildkonstruktion und Wirklichkeit: Eine Doppelführung über den Menschen im Wandel
Die Kunstsammlung Jena lädt am 13. September 2026 zu einer Doppelführung durch die Ausstellungen von Zohar Fraiman und Frank Gaudlitz ein. Im Zentrum steht die Frage, wie Identität heute sichtbar wird: als inszeniertes Bild, als mediale Oberfläche, als historische Spur und als biografische Verdichtung. Die Führung verbindet zwei künstlerische Positionen, die auf sehr unterschiedliche Weise von Gegenwart, Erinnerung und gesellschaftlichem Wandel erzählen.
Die Bildwelt von Zohar Fraiman: Überlagerung, Rolle, Projektion
Zohar Fraiman entwickelt eine Malerei, die sich wie ein visuelles Palimpsest liest. Kunstgeschichte, Popkultur, digitale Medien und Konsumästhetik treffen in dichten Kompositionen aufeinander. Ihre meist weiblichen Figuren erscheinen nicht als stabile Persönlichkeiten, sondern als Bildwesen einer Gegenwart, in der das Selbst fortlaufend kuratiert, gespiegelt und neu zusammengesetzt wird. Genau darin liegt die ästhetische Spannung ihrer Arbeiten: Zwischen Ironie und Ernst, Überfülle und Präzision entsteht eine Malerei, die den Blick gleichermaßen lockt und prüft.
Frank Gaudlitz: Fotografie als Langzeitbeobachtung
Frank Gaudlitz setzt dem die ruhige, präzise Sprache der Fotografie entgegen. Sein Werk ist von Langzeitbeobachtung, Nähe und historischer Tiefenschärfe geprägt. Über Jahrzehnte entstanden Aufnahmen, die politische und gesellschaftliche Umbrüche in Osteuropa, Russland und Südamerika dokumentieren. Gaudlitz interessiert sich für Menschen in historischen Momenten, für Gesichter, Räume und Lebenslagen, in denen Geschichte nicht abstrakt bleibt, sondern im Alltag sichtbar wird. Seine Fotografie entfaltet im Museum eine stille Autorität, die den Blick vertieft und verlangsamt.
Ein Dialog über Gegenwart, Erinnerung und ästhetische Erfahrung
Die Doppelführung eröffnet ein Kunsterlebnis, das den Gegensatz von Inszenierung und Dokumentation produktiv macht. Zwei Etagen, zwei Bildsprachen, zwei Haltungen zum Menschen: Hier die verdichtete, symbolisch aufgeladene Malerei, dort die beobachtende, zeitgeschichtlich sensible Fotografie. Gemeinsam entsteht eine Ausstellungserzählung, die Kunstbetrachtung als kulturelle Bildung begreift und Fragen nach medialer Selbstinszenierung, Rollenbildern und gesellschaftlichem Wandel stellt.
Besuch, Dauer und Atmosphäre
Die Führung ist auf etwa 70 Minuten angelegt und startet im Foyer am Kassenbereich. Für Kunstinteressierte bietet sich hier eine konzentrierte Werkbetrachtung mit klarem thematischem Fokus, ideal für alle, die Ausstellungsatmosphäre, kunsthistorische Einordnung und aktuelle Bildfragen in einer Veranstaltung verbinden möchten. Am Tag des offenen Denkmals ist der Eintritt in die Städtischen Museen Jena kostenfrei, was den Besuch zusätzlich attraktiv macht.
Fazit
Diese Doppelführung macht sichtbar, wie unterschiedlich Kunst vom Menschen erzählen kann: als Inszenierung, als Spur, als Erinnerung und als Gegenwartsdiagnose. Wer sich für zeitgenössische Malerei, Fotografie und museumspädagogische Perspektiven interessiert, erlebt in der Kunstsammlung Jena eine anregende und präzise kuratierte Ausstellung. Ein Besuch lohnt sich unbedingt – für eine ästhetische Erfahrung mit Tiefgang.
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