Die Abwahl der Demokratie im liberalen Jena: Historischer Vortrag im TaF


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Wie Jena demokratisch wurde – und wie schnell sich das Blatt wenden konnte
Die Veranstaltung im TaF – Treffpunkt am Fichteplatz lädt am 4. November 2026 zu einer historischen Analyse der politischen Entwicklung Jenas in den Krisenjahren 1929 bis 1933 ein. Im Mittelpunkt stehen Massenstimmung, Wählerwanderung und die Frage, wie sich demokratische Mehrheiten innerhalb weniger Jahre zugunsten autoritär-antidemokratischer Kräfte verschieben konnten.
Wählerwanderung im Krisenmodus
Die Präsentation von Dr. Rüdiger Stutz nimmt die Reichstagswahlen von 1928 als Ausgangspunkt. Damals erzielte die SPD im Stadtkreis Jena reichsweit eines ihrer besten Ergebnisse. Nur vier Jahre später erreichten die demokratiefeindlichen Parteien aus extremer Rechter und KPD bei den letzten Reichstagswahlen der Weimarer Republik in Jena eine klare Mehrheit der gültigen Stimmen.
Ein Blick in Jenas Stadtbezirke
Anschaulich wird der Abkehrprozess anhand von Wählerwanderungen in ausgewählten Stimmbezirken. Die Analyse führt von Handwerksmeistern, Gewerbetreibenden sowie völkisch ausgerichteten Beamten und Pensionären in den innerstädtischen Bezirken der Jahre 1929 und 1930 bis zu weiteren Teilen des Bildungs- und Wirtschaftsbürgertums, der Beamtenschaft und proletarisierten Bevölkerungsgruppen in den alten Vorstädten und randstädtischen Wahlbezirken des Jahres 1932.
Historische Einordnung mit lokalem Fokus
Besonders aufschlussreich ist der lokale Blick auf Jena: Außerhalb der Stammbelegschaften von Zeiss und Schott dominierten bereits vor Hitlers Kanzlerschaft autoritär-antidemokratische Einstellungslagen. Die Veranstaltung verbindet damit politische Bildung, Stadtgeschichte und historische Wahlforschung. Das Eventmanagement der Volkshochschule Jena schafft im selbstorganisierten Stadtteilladen TaF einen passenden Rahmen für konzentriertes Zuhören und anschließenden Austausch.
Atmosphäre und Veranstaltungserlebnis
Im TaF am Fichteplatz trifft wissenschaftliche Präsentation auf eine offene, nachbarschaftliche Veranstaltungsatmosphäre. Das Publikum erwartet kein abstraktes Lehrbuchkapitel, sondern eine präzise Untersuchung konkreter Stadtteile, sozialer Gruppen und politischer Stimmungen. Die Publikumsstimmung lebt dabei vom gemeinsamen Nachdenken über historische Entwicklungen und ihre Bedeutung für demokratische Gesellschaften.
Fazit
Der Vortrag macht sichtbar, wie politische Krisen, soziale Interessen und regionale Besonderheiten eine demokratische Ordnung ins Wanken bringen können. Wer Jenas Geschichte besser verstehen und die Mechanismen politischer Radikalisierung nachvollziehen möchte, erlebt am 4. November einen fundierten Abend mit lokalgeschichtlicher Perspektive. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich.
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